Rückblick 2016

RÜCKBLICK AUFS UTOPIVAL 2016

 

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Alle Bilder sind von Teilnehmenden und Teammitgliedern.

BERICHTE

Manche Teilnehmenden haben Berichte oder Feedbacktexte verfasst 
über den Mitmachkongress generell oder auch bestimmte Workshops des Programms 2016!
Schau doch mal rein:

Utopival - ein ausführlicher Bericht | Marieke K. (Teilnehmerin)

Utopival – wo jede*r und alles seinen Platz hat

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man Vertrauen.

Plötzlich sitze ich, 2,5 Monate nach der Auslosung, schnippelnd zwischen ein paar der 130 Menschen, die ich zum Großteil noch nie vorher gesehen habe. Meine Unsicherheit verfliegt langsam und mir wird klar: genau hier bin ich gerade richtig.

„Hier“ ist in diesem Fall das wundervolle Geschenk von Ilse und ihren Töchtern, die uns ermöglichen sechs Tage lang in ihrem großartigen Garten zu leben, zu lernen und zu lachen. Zwischen Bäumen, See und selbstgebauten Komposttoiletten lerne ich beim Schnippeln der geretteten und geschenkten Lebensmittel sofort eine Hand voll Menschen kennen und stelle immer wieder fest, dass wir schon längst Berührungspunkte gehabt haben könnten, aber es nun hier endlich so sein sollte, dass wir uns begegnen.
Es wird gelacht, geredet und ganz nebenbei füllen sich eine Vielzahl an Wannen mit frischem Gemüse. Verrückt, wie schnell das geht, wenn jeder ein bisschen mithilft, denke ich. Auch wenn ich inzwischen doch schon über Stunden da sitze und immer mehr Menschen kennen lernen darf. Um uns herum sammeln sich auch andere neugierige Mitmacher jeden Alters an. Manche noch bepackt, manche noch etwas verloren, aber alle mit einem Lachen im Gesicht.

Nach dem Essen auf der Wiese geht es dann los: Viel Orgakram (der uns von nun an immer mal wieder von dem eigentlichen Zeitplan abbringen wird): die Vorstellung des wundervollen Orga- und Teamerteams und des Geländes. Außerdem wird der Klodienst eingeteilt - Ich hätte nicht gedacht, eine solche Begeisterung für diese Toiletten zu entwickeln, die voller Liebe und Energie gebaut wurden, aber ich bin wirklich beeindruckt von dem Komfort und der Nachhaltigkeit, die sie mit sich bringen und davon, wie gut manche Menschen darüber Bescheid wissen.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich: Das nennt man Ehrlichkeit.

Die folgenden Tage sind gefüllt mit einem sanften Aufwachen von wundervoller Musik (meiner Dankbarkeit und Bewunderung dafür habe ich nicht genug Raum gegeben, stelle ich gerade fest). Gemeinsamen Kochen und Essen der kostbaren Lebensmitteln, die drei Mal täglich unsere Mägen füllen. Vegan, bio, lecker und ich persönlich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so ausgewogen und gut gegessen habe.
Morgenimpulse samt Energizer erschaffen einen bewussten Start in den Tag, vor allem Jens' zitierter Charlie Chaplin bleibt bei mir hängen. Aber auch das gemeinsame Singen, Anschauen, Begegnen hallt in mir nach. Offene Blicke und ermunternde, lächelnde Gesichter bewegen sich aufeinander zu, halten kurz inne, gehen weiter. Jeder wird wahrgenommen, jeder sieht.

25 spannenden Workshops, von denen ich eigentlich keinen verpassen möchte, füllen die Tage. Ich erlebe jedes Mal aufs Neue fantastische Referenten, die uns von ihnen und von uns selbst lernen lassen. Der Austausch ist besonders, das Miteinander offen und ehrlich. In den verschiedenen Konstellationen entsteht wiederholt innerhalb kurzer Zeit eine Intimität, für die man in anderen Kontexten Wochen braucht. Das Miteinander ist auf Vertrauen gebaut.

Ich selbst konnte (leider nur) vier Workshops selbst miterleben. (Ein kurzer Bericht zu jedem davon ist weiter unten zu finden.)

Über die Workshops hinaus, gibt es für jeden von uns Besuchern noch die Möglichkeit im „Open Space“ Diskussionen, Aktivitäten und Workshops anzubieten. Beispiele dafür (leider habe ich nicht an allzu vielen teilnehmen können, da mir die Entspannung zwischendurch auch sehr wichtig war): Massagen, Lachyoga oder auch eine rege Diskussion darüber, wie das Utopival noch anders gestaltet werden kann, damit z.B. das Orga-Team noch mehr entlastet wird. All das geschieht auch in einem sehr liebevollen und sensiblen Umgang.

Ein ganz besonderer Morgen ist der Donnerstag. Es liegen schon drei Tage voller Austausch, Lachen und Singen hinter uns, doch nun schweigen wir. Nehmen uns anders wahr. Nehmen unsere Umgebung anders wahr. Nehmen das Essen anders wahr. Es ändert sich etwas. Nicht nur unsere Ohren entspannen sich, alles entspannt sich. Eine Besonnenheit breitet sich über uns essenden Menschen aus, als wäre dadurch ein neues Level an Genuss erreicht. Wir essen langsamer. Kommunizieren mit Lächeln und Blicken. Oder genießen all das, was wir nun plötzlich empfinden mit uns selbst. Eine wundervolle Erfahrung, dies zeitgleich mit so vielen Menschen zu teilen und ihnen dabei zuzusehen, wie sich ein Genuss der Stille ausbreitet.

Später tauschen wir uns in großer Runde noch aus, wie wir das hier Erlernte und Erlebte mit in unseren Alltag tragen können: welche Projekte gibt es schon, welche können wir gemeinsam im nun entstandenen Netzwerk beginnen? Wo können wir zusammenarbeiten? Von anderen lernen, uns gegenseitig unterstützen? Die Ideen sind groß, die Ideen sind verträumt. Und sie machen Lust, weiterzumachen dort, wo wir in diesen Tagen angefangen haben.

Trotz all den Eindrücken, den Angeboten und ernsten Themen, habe ich viele Momente voller Freude und Lachen erleben dürfen. Ich habe den ehrlichen und offenen Austausch genauso geschätzt, wie die Möglichkeit, in meiner positiven Einsamkeit darüber zu reflektieren.

Es ist ein beflügelndes Gefühl, zu bemerken, dass wir genau so, wie wir sind, sein dürfen. Jeder konnte sein Talent dort einbringen, wo es seinen Platz hatte.

[Ich möchte an dieser Stelle den blinden Teilnehmer Norbert nochmal hervorheben, der bei der Open Stage mit seiner Lebensfreude und Energie „Wer tanzt wie eine Feder ..“ langfristig einen bereichernden Ohrwurm mitgegeben hat. Ich könnte hier noch viele andere Menschen aufzählen, die mich lediglich durch ihr Wesen nachhaltig beeindruckt haben, aber das würde wohl den Rahmen sprengen.]

Ich darf jeden Abend erschöpft, aber erfüllt einschlafen um am nächsten Tag aufs Neue baden zu gehen, von der Harfenmusik in eine andere Welt entführt zu werden, talentierten Menschen zuzusehen und zuzuhören, Lieder zu singen, um Menschen auf eine intensive Art zu begegnen.

Ich möchte mit Dankbarkeit abschließen, dafür, eine fabelhafte Zeit unter wertschätzenden und liebeerfüllten Menschen zu verbringen, die mir gezeigt haben, dass ich mit meinen Träumen von einer Utopie doch irgendwo dazugehöre.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo alles stattfindet.
So lebe ich heute jeden Tag und nenne es Bewusstheit.

Eine reflektierende Feedbackmail ans Team | Joachim (Teilnehmer)

Es war eine tolle Woche, teilweise ganz anders als gewohnt, aber ganz viele Sachen haben sich "richtig" angefühlt. Oft wurde mir erst bei bewusstem Reflektieren darüber bzw. im Nachhinein klar, dass etwas Gewohntes (fast) nicht präsent war:
- Geld
- Alkohol
- Zigarettenrauch
- Kohlensäurehaltige Getränke
- Kontakte "nach außen" ( dafür sehr Intensive Kontakte innerhalb unsere Gruppe )
- Nachrichten
- TV, Internet, Telefon..
- negative Gedanken / Gefühle
- ...

Am letzten Abend (Freitag), als beim Konzert die Schüsseln mit den Leckerreien rumgingen, machte ich eine interessante Erfahrung: ich fühlte "Gier" ("wann kommt die Schüssel zu mir? Nehme ich mir auch genug heraus? Wo ist die nächtste Schüssel?") ...ganz un-typisch für diese Woche! Ob das der Zucker war?
Vielleicht ist es eine Idee für das nächste Mal, die Drogenfreiheit auch auf Zucker auszuweiten?!

Ich hoffe, dass ich die vielen Impulse, Eindrücke und Erkenntnisse in meine Leben integrieren und nutzen kann und dass auch von den vielen Menschen eine Verbindung bleiben und wachsen kann, sodass das Utopival nicht nur eine einmalige, schöne Erfahrung war, sondern auch nachhaltig weiterwirken kann.
Nochmal ganz vielen Dank, dass Ihr das alles möglich gemacht habt!
Joachim

Feedback aus dem Team | Kim K. (Teamerin)

Auszüge aus dem Feedbackbogen von Kim, die Teil des Teams 2016 war.

Ich fand es beeindruckend wie achtsam 130 mehr oder weniger sich fremde Menschen einander begegnen konnten.

Unseren allabendlichen Teamsitzungen fand ich sehr gut. So blieb das Team in Kontakt und achtete noch mehr auf die Bedürfnisse der Anderen.

Schön bunt gefächertes Workshopangebot, allerdings hätte ich mich auch über Workshops über Critical Whitness, Rassimus, Hierarchie und Staat oder über eine queere Perspektive gefreut.

Die Drogenfreiheit fand ich toll, so habe ich das Utopival völlig "pur" erleben dürfen und wurde gar nicht erst in die Versuchung geführt, nachts auf dem See einen Joint zu rauchen. Die Nachtruhe war eher doof, aber Rücksicht auf die Nachbar*innen ist nun mal wichtiger. Ich fand die Idee der Nacktbadestelle am anderen Seeende sehr gut, dort war mensch auch einfach ungestörter.

Fürs nächste Mal würde ich sogar noch mehr Mitmach-Aspekte anbieten, zum Beispiel die täglichen Essensabholungen könnten auch an Teilnehmende abgegeben werden, damit die Orgamenschen mehr Zeit haben auch mal an einem Workshop teilzunehmen.

Freitag war mein ganz besonderes Highlight, ich hatte meinen perfekten Utopie-Tag mit einem tollen Gesangsworkshop, einer Badesession im See und dem tollen Abendprogramm mit Konzerten. Welch passender Abschluss.

Meine Erwartungen wurden um Längen übertroffen. Beim letzten utopival wurde ich besonders durch die Workshopinhalte beeinflusst, dieses Mal waren es besonders die zwischenmenschlichen Begegnungen, die es mir angetan haben. Meine Bedürfnisse wurden wahrgenommen und gesehen, ich habe mich sehr wohl gefühlt.
Ich habe einen anderen Zugang zu meinen Gefühlen bekommen und einiges über mich selbst gelernt. Diese Woche hat mir unglaublich viel Kraft und Sinn gegeben. Ich habe nun viel mehr Motivation mich in die Zukunft zu stürzen und sehe zum ersten Mal Perspektiven. Ich bin sonst eher von der Fraktion "dagegen" und nun habe ich eine Vision, die beinhaltet ein "DAFÜR", ein Nach-vorne-Gehen. Das tut gut.

Generell vermisse ich das Utopival eigentlich jeden Tag, diese Woche hat wirklich viel mit mir gemacht und ich werde mich auf jeden Fall auch für einen Platz auf der utopikon bewerben, um angefangene Inhalte zu vertiefen.

Ans Orgateam: VIELEN DANK für eure Bemühungen, auf alle einzugehen. Danke, für eure Arbeit, eure Geduld, euren Schweiß, eurer Blut, eure Tränen und euren Mut. Danke an die Gastgeberin, dass sie sich getraut hat das Utopival bei sich zu Hause statt finden zu lassen. Es war eine unbeschreibliche Zeit!

Über den Workshop 'natur.gestalten' (von Melinda K.) | Norbert K. (Teilnehmer)

Workshop mit Melinda

Wir waren ca. 10 - 12 Teilnehmende, und Melinda hat verschiedene Wege gewählt, uns für die Wahrnehmung der Natur zu sensibilisieren und eventuell auch kleinere künstlerische Arrangements ("land art") zu gestalten. Schön war etwa die Zweierübung mit geschlossenen Augen, bei der kleinere Naturgegenstände in einem Beutelchen erst taktil erfasst und dann der/dem anderen beschrieben werden sollten - auch ein Erspüren, wo die Grenzen unserer Sprache liegen...
In der letzten Stunde ging jede/r für sich allein, entweder mit sensiblem Blick das Naturumfeld beobachtend oder eben künstlerisch gestaltend. Ich habe in dieser Zeit etwas gemacht, was ich in dieser Länge seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht habe: ich bin über eine halbe Stunde lang auf allen vieren rund um eine Eiche herumgekrochen und habe mir deren Umfeld Stück für Stück ertastet - wunderschön, sich auch mit 58 Jahren auf so was einzulassen!

Danke, Melinda!

Über den Workshop 'Für ein Leben im 4/4-Takt - Die 4-in-Einem-Perspektive' (von Melanie Stitz) | Lisa St. (Teilnehmerin)

Hier ging es vor allem um die Frage, wie die vier Lebensbereiche Lohnarbeit, politische Einmischung, Reproduktion (z.B. kochen, putzen, Kinder erziehen) und Selbstentwicklung (z.B. lernen, lesen, träumen), welche im Alltag oft im Widerspruch zueinander stehen, wieder in Einklang gebracht werden können.

Melanie Stitz hat uns zunächst erläutert, dass es dazu vor allem ein anderes Zeitregime, ein anderes Demokratieverständnis, eine andere Vorstellung von menschlicher Entwicklung und eine andere Gerechtigkeit bräuchte. Die 4-in-Einem-Perspektive nach Frigga Haug sieht vor, dass man sich jedem der vier Lebensbereiche jeden Tag vier Stunden widmet, sodass acht Stunden zum Schlafen bleiben. Als direkte Konsequenz leitet sich daraus eine Änderung der Normalarbeitszeit und die Forderung nach einer „Teilzeit für alle“ ab. Wie dieser Ansatz konkret in unserer derzeitigen Gesellschaft umzusetzen ist, haben wir lange diskutiert und bleibt weiter spannend.
Was ich in jedem Fall aus dem Workshop mitnehme, ist ein größeres Bewusstsein zu überprüfen, ob ich mich tatsächlich jeden Tag in irgendeiner Form jedem dieser vier Lebensbereiche gewidmet habe. Im Zentrum des Workshops und auch für mich in der Reflexion steht dabei immer die Frage: „Was würde ich machen, wenn ich mehr Zeit hätte?“

Über den Workshop 'Leave the oil in the soil! Die Yasuní-Initiative Ecuadors und die Earth Rights Declaration' (von Christian Cray) | Lisa St. (Teilnehmerin)

Derzeit dominieren Werte wie Wohlstand und Wachstum das Wirtschaftssystem, woraus eine stetige Beschleunigung resultiert, von der weder die Menschen noch die Natur profitieren. Vor allem stellt diese Entwicklung jegliche enkeltauglichen Klimaziele in Frage. Der Earth Overschoot Day rückt jedes Jahr mehr an den Anfang des Jahres und der Kampf um Ressourcen nimmt immer weiter zu.

Nach dieser Einführung stellte uns Christian Cray zwei mögliche Lösungskonzepte vor:

Vor einigen Jahren machte Ecuador der Weltgemeinschaft das Angebot, das Erdöl unter einem der weltweit artenreichsten Regenwälder im Yasuní-Nationalpark im Amazonas für immer im Boden zu belassen. Leider scheiterte dieser Vorschlag an der nicht vorhandenen Zahlungsbereitschaft der Industrienationen.

Trotzdem entwickelte sich aus diesem Vorschlag eine internationale Bewegung der „Yasunidos“, die auch in Deutschland aktiv und sicherlich unterstützenswert sind, weswegen ich mich auch direkt auf den Mail-Verteiler gesetzt habe ;)!

Fast gleichzeitig zu dem Vorschlag Ecuadors 2010 beschlossen 30.000 Repräsentant*innen der indigenen Völker und Gemeinschaften auf der 'Weltkonferenz der Völker' in Bolivien die Earth Rights Declaration, die der Natur eine eigene Rechtssubjektivität zuspricht. Dadurch könnten z.B. Anwälte und Umweltorganisationen im Namen der Natur ihre Rechte einfordern und auch rechtlich durchsetzen. Sie beinhaltet im Grunde Selbstverständlichkeiten, z.B. dass ....

Eine wunderbare Erklärung, vergleichbar zu den Menschenrechten, die das Leben auf und mit der Erde sicherlich von einem Tag auf den anderen fundamental verändern würden. Nur wie bekommen wir diese universellen Rechte der Natur umgesetzt? Dieser Frage haben wir uns auch im Workshop lange gewidmet, ohne eine konkrete Antwort zu finden.
Meine persönliche Antwort: Vielleicht, indem wir jeden Tag nach ihnen leben und sie in die Welt hinaus tragen? Und zwar solange, bis auch die Politiker*innen dieser Welt die Earth Rights Declaration verabschieden!

Über den Workshop 'Von glücklichen Menschen lernen' (von Thu Phong Vuong) | Lisa St. (Teilnehmerin)

Stell Dir vor, Du bekommst eine Liste mit 100 Werten vorgelegt und sollst daraus die für Dich 20 wichtigsten auswählen. Daraus wählst du noch mal die zehn wichtigsten und daraus die fünf wichtigsten aus. Dann erfährst Du, dass sich Deine Werte in Einstellungen = innere Prinzipien (z.B. Diszipliniert sein, Kreativ sein etc.), Vorsätze = innere Ziele (z.B. eine Familie haben, gebildet sein etc.), Benehmen = äußere Prinzipien (z.B. Ehrlich zu anderen sein, Loyal sein) und Visionen = äußere Ziele (z.B. Klima schützen, Menschenrechte fördern etc.) einteilen lassen.

Genau so ging Thu Phong Vuong in diesem Workshop mit uns vor. Anschließend erklärt er uns, dass wir Ziele nicht kontrollieren können, während wir Prinzipien maßgeblich mitbestimmen und unter Kontrolle haben. Je mehr wir uns in unserem Leben also auf Dinge bzw. Ziele fokussieren, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, desto größer werden unsere Ängste und Abhängigkeiten. Wir fragen uns immer, was die anderen hören wollen und sind doch erfolglos (z.B. bei der Jobsuche oder der Suche nach der großen Liebe). Wenn wir aber uns selbst mögen und nicht unsere Ziele, sondern unsere Werte leben, haben wir die Chance wirklich glücklich zu sein (jedenfalls zeigt dies seine Coaching-Erfahrung).

Weiter ging es mit einer Gruppenarbeit, wo wir überlegt haben, was uns persönlich dabei unterstützt und was uns davon abhält, unsere Prinzipien / Werte zu leben. Immer wieder werden gesellschaftliche Zwänge und äußere Erwartungen als Aspekte genannt, die uns hindern und Gleichgesinnte, Mut oder Selbstbewusstsein, als Faktoren, die uns helfen, unsere Werte zu leben.

Beendet haben wir den Workshop mit einer wunderschönen Meditation am See, wo wir uns noch mal ganz gezielt auf unsere verschiedenen Sinne konzentrieren konnten.

Dieser Workshop hat mich sehr dazu angeregt, jetzt und in Zukunft meine eigenen Ziele und Prinzipien zu hinterfragen und neu zu justieren, danke dafür!

Über den Workshop 'Gerechtigkeit. Identität. Rassismus.' (von Nesreen Hajjaj) | Marieke K. (Teilnehmerin)

Nesreen hat uns drei Stunden lang durch einen Dschungel an Selbstreflektion geschickt. Zunächst fanden wir heraus, welcher der Wert in unserem Leben ist, der uns am Wichtigsten scheint. Nicht überraschend blieb vielen von uns nur „Liebe“ als unverzichtbar übrig, doch wenn das so ist, wieso leben wir dann doch oft getrieben von anderen Werten und Erwartungen?

Wir haben uns ausgetauscht, wo für uns persönlich Diskriminierung anfängt, wo es aufhört. Wie wir auf verschiedene Situationen und Menschen reagieren und wie jeder Mensch genau so, wie er ist, integriert werden kann. Wie wir zu gewissen Thesen stehen. Die Diskussionen waren unheimlich interessant und vielfältig. Nesreen war dabei eine tolle „Leitung“ und beantwortete alle Fragen zum Thema Islam sehr offen und ehrlich.

Über den Workshop 'Lebendiges Fühlen - Vom Unterdrücken zum freien Ausdruck unserer Gefühlswelt. Possibility Management' (von Gunnar Bäsmann) | Marieke K. (Teilnehmerin)

Dieser Workshop war für mich wohl der emotional aufreibendste. Gunnar bat uns unbekannterweise in intimen Kontakt mit einem Gegenüber zu treten. Wir tauschten uns darüber aus, was wir wahrnehmen, empfinden. Ohne richtig, ohne falsch, lediglich unser subjektives Empfinden. Wir wurden gebeten, unserem Gegenüber mitzuteilen, was wir an ihm wertschätzen – beeindruckend wie viel einem einfällt, obwohl das gerade der erste Kontakt zueinander ist.

Wir lernten unsere Gefühle kennen und lernten, sie von unseren Emotionen abzugrenzen.
Zum Ende durften wir miterleben, wie Gefühlsblockaden anhand von systematischen Therapiemethoden gelöst werden können. Ich würde es fast als leicht gruselig beschreiben, auch wenn ich diese Art von Therapie schon kenne.
Ich frage mich auch jetzt noch: Wenn wir uns immer und überall mit einer solchen Ehrlichkeit begegnen, sind wir dann nicht viel mehr wir selbst, als es uns jetzt in unserer Gefühlsunterdrückung aus Angst nicht gelingt?

Über den Workshop 'Contact Improvisation' (von Manuel Kick) | Marieke K. (Teilnehmerin)

Von Kontakt Improvisation hatte ich gehört, es auch schon mal gesehen und es doch noch nie selbst ausgeführt.
Der Workshop war unheimlich schön, weil er eine Tiefe mit sich brachte, die durch den verbalen Austausch so nicht möglich ist. Manuel vermittelte die Grundlagen dieser Tanzart auf leichtverständliche und rücksichtsvolle Weise, sodass jeder in einem angenehmen Maß die Übungen ausprobieren konnte.
Vor allem die Freude, die ich aus diesen Stunden ziehen konnte, geteilt mit Menschen, die ich zuvor nicht gekannt habe, hinterlassen bei mir den Wunsch wieder mehr zu tanzen, loszulassen, einander zu vertrauen und zu stützen.

Über den Workshop 'Sexualität, Mut, Ehrlichkeit und irgendwo dazwischen Ich... Zeit für Austausch!' (von Raphael Wintrich & Lisa Zielke) | Marieke K. (Teilnehmerin)

Dass bei diesem Workshop das Zauberwiesen-Zelt aus allen Nähten platzte, spricht für sich: Sexualität bleibt ein Thema, dass trotz seiner Allgegenwärtigkeit in unserer Gesellschaft zu selten authentisch und verletzlich thematisiert wird. Hier war das nun möglich. Raphael und Lisa schafften schon innerhalb der ersten Minuten ein intimes und vertrautes Miteinander und wir erkannten, dass wir mit vielen unserer Unsicherheiten nicht allein da stehen, genau so, wie wir feststellen konnten, dass wir alle ganz verschieden Erfahrungen gesammelt haben, unterschiedliche Vorlieben haben und dass all das vollkommen in Ordnung ist.
Es gibt auch hier kein richtig und falsch und letztlich sind wir diejenigen, die kommunizieren und so gemeinsam ein offenes und wohliges intimes Miteinander erleben können.